Ein europäisches Tzu Chi-Team kehrte in die besonders betroffenen Gemeinden zurück, um Hausbesuche durchzuführen, die letzte Verteilphase vorzubereiten und sicherzustellen, dass Hilfe die Verwundbarsten erreicht – würdevoll, transparent und interreligiös getragen.
Verwüstungen, die bleiben – und Menschen, die weitertragen


Sechs Monate nach den katastrophalen Sturzfluten im Oktober 2024 sind die Spuren in der Region Valencia unübersehbar. Ältere Häuser gaben unter der Kraft des Wassers nach, Brücken wurden fortgerissen, Küchen stehen voller Schutt und in manchen Straßen sind Erdreich und Boden abgesackt. Viele Familien können bis heute nicht zurückkehren.
In Chiva überquerte das Team eine Behelfsbrücke, um Hausbesuche durchzuführen. „Das Wasser stieg bis hierher,“ erinnert sich der 76-jährige Rafa. Er überlebte die Flut, indem er sich mit einem Stromkabel sicherte – ein Sinnbild für Mut und den Überlebenswillen vieler älterer Bewohnerinnen und Bewohner.
In Catarroja erzählten Wände ihre eigene Geschichte: Die Uhrzeit 20:11 ist auf einer Mauer eingeritzt – ein stilles Mahnmal für einen Senior, der den Fluten nicht entkommen konnte. Picanya wiederum zählte fünf zerstörte Brücken; die Infrastrukturverluste erschweren den Wiederaufbau erheblich.
Fokus Würde: Bei allen Einsätzen achtet Tzu Chi darauf, Hilfe so zu leisten, dass Selbstbestimmung und Würde der Betroffenen im Mittelpunkt stehen – von der Bedarfserhebung bis zur Ausgabe von Unterstützung.
Vom ersten Besuch zur letzten Meile der Hilfe
Tzu Chi-Freiwillige aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den Niederlanden, Polen, Italien, der Schweiz, Taiwan, Argentinien und Spanien führten seit dem Herbst mehrere Bewertungsrunden durch – darunter ein drittes Assessment im Frühjahr 2025 mit Hausbesuchen. Gemeinsam mit Caritas, der Fundación Altius España und den Kommunalverwaltungen wurden Listen der betroffenen Haushalte erstellt und fortlaufend verifiziert.
Ab dem 9. Juli 2025 folgte eine einwöchige Nothilfe-Aktion, bei der in Utiel, Chiva, Picanya, Paiporta, Benetusser und Catarroja Gutscheinkarten für den Supermarkt Mercadona verteilt wurden. Damit können Familien bedarfsgerecht Lebensmittel und Haushaltswaren kaufen. Insgesamt erhielten über 3.000 Familien Unterstützung; in Picanya allein waren rund 1.700 Haushalte betroffen, 80 Wohnungen galten als unbewohnbar.
Im Juni richtete Tzu Chi ein temporäres Büro in Paiporta ein. Nachbarinnen und Nachbarn kamen vorbei, halfen beim Organisieren, brachten Obst, Gemüse und Kuchen – und schenkten Zeit. Eine von ihnen, Lidia, unterstützte fast täglich bei Telefonaten und Vorbereitungen:
„Wenn so viele Freiwillige von weit her kommen, sagt eine Stimme in mir: Ich möchte auch meinen Teil tun.“
Chiva, 12. Juli 2025 – Eine Familie aus Mitgefühl
Am 12. Juli 2025 fand der vierte Tag der Tzu Chi-Verteilungen in der Pfarrkirche San Juan Bautista in Chiva statt – ein historischer Ort, der 2024 selbst von der Flut gezeichnet wurde. Pfarrer Javier stellte die Kirche großzügig zur Verfügung; die Zusammenarbeit mit der Caritas war eng und vertrauensvoll. Vor Beginn sprachen Freiwillige ein Gebet vor dem Porträt von Dharma Master Cheng Yen – ein Moment interreligiöser Verbundenheit.
Bewegende Begegnungen prägten den Tag:
Die taiwanische Anwohnerin 許菱真 (Xu Lingzhen) hatte nach der Flut öffentlich über die Lage berichtet – eine der Brücken, die Tzu Chi in die Gemeinde führten.
Die Bäckerin Consuelo verlor ihren Laden samt Vorräten; die Worte aus dem Trostbrief von Dharma Master Cheng Yen gaben ihr Kraft.
Und Vicente, dessen Haus bis nahezu drei Meter überflutet wurde, sagte an seinem 58. Geburtstag, die Unterstützung sei das „schönste Geschenk“.
Junge Freiwillige brachten besondere Energie in die Hilfe. Sechur, aufgewachsen in Chiva, dolmetschte und half bei der Ausgabe. Viele Teilnehmende sagten am Ende:
„Es fühlte sich an wie eine große Familie.“
Beim Lied „Eine Familie“ (〈一家人〉) wurden Lächeln und Zuversicht sichtbar.

Zusammenarbeit, die trägt – Kirche, Kommune & Tzu Chi
In vielen Kirchen – so auch in der historischen Iglesia de Nuestra Señora de la Asunción in Utiel – fanden die Ausgaben statt. Pfarrer Cristóbal entzündete sechs weiße Kerzen als Zeichen der Würde und bat um Segen für die Hilfe. Freiwillige erklärten den Ablauf geduldig, damit jede Unterschrift, jede Karte, jeder Schritt nachvollziehbar blieb. Transparenz und Respekt sind Grundpfeiler der Tzu Chi-Arbeitsweise.
Vertreter aus Taiwan, darunter Tim Lu (呂宗翰), betonten die Schönheit der interreligiösen Harmonie:
„Eine buddhistische Organisation unterstützt Menschen in katholischen Kirchen – vereint durch Menschlichkeit. Wir sind dankbar für die Unterstützung der spanischen Freiwilligen. Ohne euch wäre diese Verteilung nicht möglich.“
Würde durch Wahlfreiheit: Hilfe, die ankommt
Die Entscheidung für Gutscheinkarten stärkt Selbstbestimmung und lokale Wirtschaft: Familien kaufen, was sie wirklich brauchen – von frischem Obst bis zu Hygieneartikeln. Für ältere Menschen in alten Häusern, die häufig die Last des Wiederaufbaus tragen, bedeutet dies schnelle, flexible Entlastung.
Gleichzeitig bleibt Raum für Heilung: In Paiporta luden Freiwillige zu „Fans of Love, Acts of Kindness“ ein – bemalte Fächer als Zeichen der Ermutigung. Manche Gruppen kamen täglich, nahmen Fächer mit nach Hause und versprachen, 2.000 davon zu bemalen. Kleine Gesten – große Herzenswärme.
Stimmen der Dankbarkeit & der Trauer
Viele Geschichten bleiben im Herzen:
Maria aus Picanya verlor ihren Mann, der wichtige Dokumente holen wollte.
Eine Großmutter in Catarroja erlebte, wie Wasser bis zum Hals stieg.
Ein Enkel schreit „Nein!“, sobald er Duschwasser hört.
Hilfe kann den Verlust nicht ungeschehen machen – aber sie kann nicht allein lassen. Tzu Chi hört zu, hält aus und bleibt.
Video-Einblicke
🎥 Tzu Chi Valencia Relief 1 – YouTube
🎥 Tzu Chi Valencia Relief 2 – YouTube

